Neue Messergebnisse, aber keine Grenzwerte: Ultrafeinstaubpartikel im BER-Umfeld bleiben in der Diskussion

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Ein Waldbrand in der Natur, der Toaster zu Hause in der Küche, die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen oder der Grill draußen im Garten – sie alle haben eins gemeinsam: Sie produzieren Ultrafeinstaubpartikel (UFP). Mit diesem einprägsamen Vergleich begann Frau Dr. Wolf-Benning, Fachreferentin für Immissionsschutz des Flughafens, im Mai 2018 ihren Vortrag über die UFP-Messungen der FBB GmbH im Flughafenumfeld. Weil die Messungen aber gerade erst begonnen hatten, versprach der Flughafen wieder zu kommen wenn mehr Messergebnisse vorliegen. Diese Versprechen hielten die Kollegen vom BER und so traf man sich auf Initiative von Tina Fischer und des Eichwalder Umweltbeirats Ende September zum zweiten fachlichen Austausch über UFP im Flughafenumfeld.

Was war neu in diesem Jahr? Einerseits gibt es deutlich mehr Messwerte als noch vor eineinhalb Jahren. Und andererseits war auch vom Umweltamt des Landes Brandenburg (LfU) ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort dabei und stand Rede und Antwort. Aber der Reihe nach: sowohl Lutz Schaefer vom LfU als auch Frau Dr. Wolf-Benning von der FBB hielten sehr interessante Vorträge und stellten neue Forschungs- und Messergebnisse vor. Interessiert lauschten die etwa 20 Zuhörer den zentralen Aussagen beider Referenten: ja, ein Flughafen ist definitiv eine Quelle für Ultrafeinstaubpartikel. Und nein, direkte Überflüge startender bzw. landender Flugzeuge sind nicht unmittelbar als Quelle für erhöhte UFP-Werte nachzuweisen. Das hat die Messstation unterhalb der Flugroute in Bohnsdorf gezeigt und sorgte für verwunderte Gesichter. Vom Flugzeug verbreitete Ultrafeinstaubpartikel verteilen sich nicht senkrecht Richtung Boden, sondern vielmehr in der umgebenden Luftmasse. Auf diese Luft wiederum wirken dann v.a. Wetterphänomene ein. Heißt also: Wetterereignisse wie Windrichtung, Windstärke etc. spielen eine viel größere Rolle bei der Belastung des Flughafenumlands mit Ultrafeinstaub als ein direkter Überflug. Das zeigen auch Messergebnisse an anderen Flughäfen, wie Lutz Schaefer vom Landesumweltamt bestätigte.

Viel zentraler für die Menschen im Flughafenumland ist aber ein anderes Thema, wie die Landtagsabgeordnete Tina Fischer zusammenfasste: „Noch immer gibt es von medizinischer und politischer Seite keine allgemeinen Grenzwerte für die Ultrafeinstaubbelastung in der Luft. Das ärgert mich!“ Tina Fischer appellierte deshalb an die zuständigen Ebenen: „Hier ist die Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen mit den nationalen Regierungen am Zug. Es muss endlich klar geregelt werden, welche Mengel Ultrafeinstaub gesundheitsschädlich ist!“  Einig waren sich alle Anwesenden auch darüber, dass es vor Ort noch mehr Messungen über längere Zeiträume und an weiteren Messstandorten gibt. Sowohl der Flughafen als auch das LfU versprachen, in dieser Hinsicht weiter am Ball zu bleiben und – wenn organisatorisch und finanziell möglich – auch weitere Messstationen zu errichten. Auch nahmen LfU und FBB den Appell der Zuhörer mit, die UFP-Messdaten künftig kontinuierlich und fortlaufend online im Internet zu veröffentlichen.

„Es war insgesamt ein gutes zweites Fachgespräch“ waren sich am Ende alle einig. „Es ging sehr sachlich und fair zu, wenngleich natürlich auch unterschiedliche Sichtweisen dargestellt wurden. Ich bin froh und dankbar, dass der Flughafen sich der Verantwortung stellt, hinauszugehen und mit den Menschen das Gespräch zu suchen.“  fasst die Landtagsabgeordnete Tina Fischer den Abend zusammen. Und am Ende versprach der Flughafen erneut, dass er wieder kommt. Und zwar dann nach der Eröffnung des BER mit den dann neuen Messergebnissen für einen internationalen Großflughafen.

 

Zum Nachlesen: unten stehend finden Sie die Vortragspräsentationen von Lutz Schaefer (LfU) und Frau Dr. Wolf-Benning (FBB GmbH) zum download.

Vortrag Lutz Schaefer, Landesamt für Umwelt

 

Vortrag Dr. Uta Wolf-Benning, FBB GmbH