Zu viele Ärzte in Brandenburg?

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Glauben Sie nicht? Dann geht es Ihnen so, wie den Landtagsabgeordneten Tina Fischer und Sylvia Lehmann. Beide sind in Gesprächen mit Bürgern, Gemeindevertretern oder im Kreistag immer wieder auf ein Thema angesprochen werden: überfüllte oder geschlossene Arztpraxen, lange Wartezeiten auf Termine und in den Praxen oder auch lange Wege zu den Praxen. Also informierten sie sich, wie es genau aussieht in ihrem Landkreis und staunten nicht schlecht, was sie auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) lesen mussten. Dort wird festgestellt, dass ganz Brandenburg in fast allen Disziplinen mit Ärzten überversorgt ist. „Das hat mit der Lebenswirklichkeit und den täglichen Erfahrungen unserer Bürger wenig zu tun“ so Sylvia Lehmann, die auch sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion ist. Für Tina Fischer stellte sich schnell die Frage, ob das zugrunde liegende Bewertungssystem stimmt und wer das festlegt. „Warum diskutieren wir eigentlich auf politischer Ebene den Ärztemangel und überlegen uns, wie wir Mediziner in die Region holen, wenn die KVBB offiziell eine Überversorgung attestiert?“

Also stellten beide einige Fragen an die Landesregierung und die Kassenärztliche Vereinigung, die kurz vor Weihnachten beantwortet wurden (Landtagsdrucksache 6/10191). Daraus geht hervor, dass die Dinge komplexer sind als es auf den ersten Blick erscheint. Anders als vermutet trifft die sog. Überversorgung mit Hausärzten eher den südlichen Teil des Landkreises (107,4%), während der Raum um Königs Wusterhausen, Schönefeld und Wildau als knapp unterversorgt gilt (93,5% bzw. 98,4%). Dies ist vermutlich auf die starken Zuzüge in den letzten Jahren zurückzuführen. Für den Raum Lübben wird allerdings weiter ausgeführt, dass gut 40% der 32 Hausärzte bereits das 60. Lebensjahr überschritten haben. Würden diese Vertragsarztsitze wegfallen, würde das zu einer Verringerung des Versorgungsgrades unter 60 % führen. Deshalb beabsichtigt die KVBB gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen für den Mittelbereich Lübben eine drohende Unterversorgung festzustellen. Auf dieser Grundlage wiederum ist eine Gewährung von finanziellen Unterstützungsmaßnahmen (Investitionskostenzuschüsse, Sicherstellungzuschläge) möglich, um neue Ärztinnen und Ärzte in diese Regionen zu lenken.

Insgesamt bestätigt sich, dass die Sorgen der beiden Kreis- und Landtagsabgeordneten begründet sind. „Die sogenannte „Mediziner-Prämie“, die wir im Sommer im Kreistag beschlossen haben, ist also richtig und wichtig“ so Fischer. Damit unterstützt der Landkreis Medizinstudenten mit 500€ monatlich, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium mindestens vier Jahre lang in Dahme-Spreewald als Arzt zu arbeiten. „Auch das Land Brandenburg hat mit seinem gerade verabschiedeten Doppelhaushalt eine eigene Prämie beschlossen, die die Bemühungen unseres Landkreises zusätzlich unterstützt“, ergänzt Sylvia Lehmann. „Die beiden Anreize ergänzen sich und sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“