
Unser Rechtsstaat beweist seine Stärke nicht dadurch, dass er Kinder immer früher bestraft, sondern durch die Übernahme von Verantwortung. Der Antrag der AfD zur Absenkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf 12 Jahre ist fachlich falsch, rechtlich nicht haltbar, krimonologisch widerlegt, ethisch fragwürdig und – wie immer bei ihren Anträgen – politisch durchsichtig.
Kein Kind kommt als Straftäter zur Welt. Straftaten junger Menschen entstehen nicht aus purer Bösartigkeit, sondern oft aus schwierigen Lebenslagen: aus Armut, Vernachlässigung, Gewalt, traumatischen Erfahrungen und fehlender Begleitung. Wer allein auf Bestrafung setzt, bekämpft nicht die Ursachen, sondern verschiebt die Verantwortung – weg von Politik und Gesellschaft, hin zu Kindern. Dieses Denken lehne ich entschieden ab.
Unser Strafrecht basiert auf dem Schuldprinzip. Eine Strafe seetz voraus, dass das Unrecht der Tat erkannt werden kann. Alle entwicklungspsychologischen, kriminologischen udn juristischen Experten sind sich einig, mit 12 Jahren ist diese Einsichtsfähigkeit nicht gegeben. Die derzeitige Grenz bei 14 jahren ist deshalb nicht willkürlich, Sie ist rechtlich notwendig, verfassungsrechtlich geschützt und im Einklang mit den UN-Kinderrechtskonventionen.
Unser Rechtsstaat setzt auf den Erziehungsgedanken, auf Resozialisierung statt auf Bestrafung. Und natürlich haben wir eine breite Palette von Maßnahmen, dioe diesen Erziehungsgedanken unterstützen. So zum Beispiel die intensive sozialpädagogische Betreuung, Familienhilfen, sozialräumliche Hilfesysteme, pädagogische Auflagen und als ultima ratio auch die stationäre Unterbringung.
Wenn wir Kinder und Jugendliche wirklich schützen wollen, müssen wir früher ansetzen. Für mich heißt das: Familien stärken, Sozialarbeit vor Ort ausbauen, Schulen besser unterstützen und die Jugendhilfe modern und bedarfsgerecht aufstellen – gerade auch in ländlichen Räumen. Vor allem aber brauchen wir konsequente und langfristige Investitionen in Prävention statt immer neuer Forderungen nach Strafverschärfungen.
Innere Sicherheit entsteht nicht durch Strafverschärfungen auf dem Rücken von Kindern, sondern durch eine Politik, die stärkt, schützt und Chancen eröffnet.
Einige Medien haben über die Debatte berichtet:
https://www.zeit.de/news/2025-12/19/debatte-um-strafmuendigkeit-von-kindern-nach-gewalttaten
Meine Rede kann man hier finden:
